Der Untergang des Bleisatzes

Seit 500 Jahren ist die Wissensverbreitung in den Händen von Buchdruckern gelegen. Die Erfindung des Satzes mit beweglichen Lettern – eine Großtat Gutenbergs am Beginn der Neuzeit – hat sich auf der ganzen Welt verbreitet. Eine Technologie, die sich über Jahrhunderte bewährt hat, ist seit dem 20. Jahrhundert  dem Untergang geweiht.
Der klassische Buchdruck mit Bleisatz ist im Hand- wie im Maschinensatz ausgestorben.
Die beweglichen Drucklettern mit den dazugehörigen Druckpressen und -maschinen haben seit ihrer Erfindung um 1450 bis in die 1960er Jahre in fast unveränderter Technologie – wenn auch mit vielfach verbesserter Technik – zur Buchherstellung gedient.
Der Fotosatz ab den späten 1960er Jahren, 1985 vom Desktop-Publishing abgelöst, haben das Satz- und Druckereihandwerk verändert, beschleunigt und den Buchdruck verdrängt.
Offset- und Digitaldruckmaschinen, „Kopierer“ und Drucker in Privathaushalten produzieren heute viel und rasend schnell bedrucktes Papier.
Der Druck mit beweglichen Lettern hat aber seinen eigenen Charme, hat Vorzüge und Qualitäten, die in der schnellebigen aktuellen Drucktechnik niemals erreicht werden können.
Durch das faktische Aussterben des Buchdrucks schwindet auch das Wissen der Menschen um dessen Schönheit und technischen Reichtum – wie soll ein Mensch schätzen, was er niemals gesehen hat?
Und auch der Kreis derer, die mit dieser Technik noch umgehen können, die Satz- und Druckmaschinen betätigen können, die den Bleisatz beherrschen, wird kleiner.
Die Maschinen wurden, da sie fast niemand mehr bedienen kann und sie auch für einen wirtschaftlichen Einsatz viel zu langsam sind, verschrottet.
Die Bleisätze werden im besten Falle zerrissen als Einzelbuchstaben auf ebay verramscht – viel häufiger werden sie eingeschmolzen. Viele Holzlettern wurden verheizt !